Ist Herbstaufforstung eine Alternative?

Viele Forstpflanzen, die im Frühjahr gepflanzt wurden, sind 2018 im extrem trockenen Sommer vertrocknet. Die Tradition der Frühjahrspflanzung sollte man überdenken, einiges spricht für eine Herbstpflanzung.

JungwaldJungwaldJungwald[1333350548663371.jpg]
© RWA
Einen Pflanzzeitpunkt (Frühjahr oder Herbst), der generell günstig ist, gibt es nicht. Dieser hängt ab von Bodenverhältnissen, Wasserversorgung, Witterung, Qualität des Pflanzenmaterials und der Ansetzqualität.

Herbstaufforstung: Wann und wie?

Herbstpflanzungen können von Mitte August in den Hochlagen bis Mitte Oktober in den Tieflagen durchgeführt werden. Daraus ergeben sich mehrere Vorteile:
  • Größte Auswahl an Herkünften und Höhenlagen sind erhältlich.
  • Pflanzenschutz (Winter-Wildverbissbehandlung) ist vor dem Auspflanzen auftragbar.
  • Vermeiden von Arbeitsspitzen im folgenden Jahr.
  • Häufig bessere Niederschlagsverteilung.
  • Nutzen des Herbst-Wurzelwachstums und des folgenden Frühjahrs-Wurzelwachstums vor Austrieb (siehe Diagramm unten).
  • Kein Pflanzschock.
  • Zügiges Weiterwachsen in den Folgejahren.
  • Ausnutzung der Winterfeuchte.

Wachstumszyklus im alpinen Raum

[1316776871.jpg][1316776871.jpg][1316776871.jpg][1316776871.jpg]
© LIECO GmbH

Flächen vorbehandeln

Womit beginnt eine Herbstpflanzung? Eine vorbereitende Herbizidbehandlung im Sommer ist eine sehr wirkungsvolle und auch kostengünstige Begleitwuchsregulierung. Einzusetzen besonders in Gebieten wo etwa die Brombeere stark auftritt. Bei Laubholzaufforstungen kann sie auch vor den gefürchteten Mäuseschäden schützen.

In etwas kleineren Kulturen haben sich glyphosathältige Herbizide bewährt, da diese Mittel keine Bodenwirkung haben. Es können praktisch alle Baumarten einige Wochen später gepflanzt werden. Alternativ kann die Bepflanzung auch maschinell (z.B. durch Mulchen) vorbereitet werden. Wenn möglich sollten nur Streifen, in denen die Pflanzen gesetzt werden, behandelt werden. Füllhölzer kommen in den Zwischenräumen aus natürlicher Verjüngung und können die Aufgaben der Schaftpflege und der Astreinigung übernehmen.

Was muss beachtet werden?

Wenn im Herbst aufgeforstet wird, muss der ideale Zeitpunkt dafür genommen werden. Rechtzeitig im Herbst (nach Triebabschluss und noch vor dem Einsetzen des Wurzelwachstums) gesetzte Pflanzen wurzeln sofort ein, trocknen im Winter weniger leicht aus und können auch die Trockenperiode im Frühjahr überstehen. Da aber dieser ideale Zeitpunkt oft in landwirtschaftliche Arbeitsspitzen fällt, kann dieser oft nicht eingehalten werden.

Die Pflanzen werden dann oft erst nach Beendigung des Wurzelwachstums aufgeforstet. Da die Wurzeln über den Winter keinen Kontakt zum Boden haben, ist die Gefahr des Austrocknens groß. Immergrüne Nadelbäume transpirieren über ihre Nadelmasse weiter, ohne dass das Wasser über die Wurzeln nachgeliefert werden kann. Schlampiges Antreten der jungen Bäume kann Ausfälle durch Barfrost (Auffrieren bzw. Auswintern) bewirken. Im Frühjahr müssen die Bäume, wenn nötig, noch einmal „eingetreten“ werden.

Forstpflanzen setzen

Unabhängig von der Jahreszeit, garantieren günstige Witterungsbedingungen wie Windstille, bedeckter Himmel und Regenperioden gute Anwuchserfolge. Richtige Herkünfte, umsichtige Pflanzenbehandlung beim Ausheben, Transport und Lagerung sowie sorgfältige Setzarbeit sollten ohnehin selbstverständlich sein.
Autor:
DI Reinhard Pfeffer, RWA