OÖ: Respektable Getreideernte unter schwierigen Witterungsbedingungen

Erträge regional unterschiedlich - Grünlandsektor steckt in Nöten.

Linz, 19. Juli 2018 (aiz.info). - Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Reisecker und Pflanzenbaudirektor Christian Krumphuber haben heute die vorläufigen Ernteergebnisse für Oberösterreich präsentiert. "Die Getreideernte begann heuer in unserem Bundesland so früh wie noch nie. Die lang anhaltende Hitze und Trockenheit hat naturgemäß ihre Spuren hinterlassen. Die Erträge sind regional sehr unterschiedlich, aber in Anbetracht der extrem schwierigen Witterungsbedingungen respektabel. Mais und Soja haben die heurigen Extrembedingungen bisher sehr gut gemeistert, der Grünlandsektor steckt in Nöten. Die Futtergrundlage für viele viehhaltende Betriebe ist stark bedroht, sodass das Thema Luzerne ein Zukunftsthema werden könnte", fasste Reisecker die Ergebnisse zusammen.

Bauern halten ihre Böden gut in Schuss

"Anders als behauptet, sind unsere landwirtschaftlichen Böden weder kaputt noch ausgelaugt. Dadurch konnten trotz schwieriger Bedingungen und angespannter Wasserversorgung noch respektable Erträge zustande kommen. Das Wasserhaltevermögen, die Humusgehalte und die biologische Aktivität unserer Böden ist sehr gut. Die Bauern behandeln ihre Böden pfleglich und schauen darauf, dass dieses wichtige Kapital im besten Sinne nachhaltig bewirtschaftet wird", so Reisecker.

Änderungen in der Bodennutzung

"Die Bodennutzung zeigte sich im heurigen Jahr recht stabil. Dem Zuwachs bei Wintergerste im Ausmaß von 2.000 ha stehen Flächenverluste bei Sommergetreide - vor allem bei Hafer und Sommergerste - etwa im gleichen Ausmaß gegenüber. Der Flächenzuwachs bei Raps war so nicht erwartet worden, ist aber erfreulich", berichtete Krumphuber. Überraschend stelle sich der stagnierende Sojaanbau dar. Hier seien Zuwächse wie auf Bundesebene erwartet worden.

Wintergerste: Ernteergebnisse zufriedenstellend

Der Pflanzenbaudirektor präsentierte dann die Ernteergebnisse im Detail: Der Drusch der Wintergersteum begann heuer in Oberösterreich um den 10. Juni und somit etwa drei Wochen früher. "In Anbetracht der trockenen und heißen Witterungsbedingungen sind die Ernteergebnisse zufriedenstellend. Im Landesschnitt liegen die Erträge bei 70 dt pro ha. Die Ertragsschwankungen sind allerdings groß. Von nahezu Totalausfällen auf leichten Schotterböden bis sehr guten Hektarerträgen von etwa 90 dt reicht die Bandbreite", so Krumphuber.
Schwächer, aber immer noch respektabel fällt die Winterweizenernte aus. Der später reifende Weizen hat unter der Trockenheit stärker gelitten als etwa die Wintergerste. Die Niederschläge in der zweiten Juni-Hälfte kamen wegen der fortgeschrittenen Vegetation zu spät. Im oberösterreichischen Mittel wird mit Erträgen von 65 dt pro ha gerechnet, das sind rund 10% weniger als der langjährige Durchschnitt. Die Ertragseinbußen sind im Zentralraum größer, im Innviertel etwas geringer. Die Qualitäten - Hektolitergewichte und Eiweißgehalte - sind gut bis sehr gut.

Rapserträge deutlich unter dem Vorjahresniveau

"Wie zu erwarten war, blieben die Rapserträge mit etwa 33 dt pro ha deutlich hinter den ausgezeichneten Vorjahresergebnissen zurück. Der Raps hat insgesamt momentan einen etwas schweren Stand. In Europa wird der überwiegende Teil des Rapsöls als Biodiesel verwendet. Hier sind die Zukunftsperspektiven eher eingetrübt", verwies Krumphuber auf den rückläufigen Verbrauch an Diesel und die einseitige Diskussion über Bioenergie.

Mais und Sojabohne zufriedenstellend

Mais und Sojabohne entwickeln sich laut den LK-Erhebungen - abgesehen von extrem leichten Standorten - durchaus gut und zufriedenstellend. "Zu beachten ist, dass es einen erheblichen Vegetationsvorsprung gibt. Aktuell sind für beide Kulturen gute Erträge zu erwarten, wobei es aufgrund der Futterknappheit im Grünland- und Futterbau Druck geben wird, Körnermais als Silomais zu nutzen", erläuterte der Experte.

Probleme im Grünland und Futterbau

Das Frühjahr hat für das oberösterreichische Grünland vielversprechend begonnen: Es wurde ein normaler Winter mit Frost, Schnee und ausreichend Niederschlägen bis Anfang März verzeichnet. Der spätere Vegetationsbeginn wurde durch eine konstante Steigerung mit überdurchschnittlichen Temperaturen zumindest in den tieferen Lagen ausgeglichen. So wurde in den Fünf-Schnitt-Betrieben ab dem 25. April der erste Aufwuchs siliert. In Vier-Schnitt-Betrieben erfolgte der erste Schnitt vom 9. bis 15. Mai. In den höheren Lagen verzögerte sich der erste Schnitt aufgrund der langsameren Bodenerwärmung, aber auch bereits durch die fehlenden Niederschläge, bis Ende Mai.
Ab Anfang April gab es dann keine konstante Wasserversorgung mehr, diese wäre jedoch Grundlage für zufriedenstellende Erträge. Erst gegen Ende Juni und Anfang Juli wurden wieder nennenswerte Niederschläge gemessen. Hier wiederum mit einer regional sehr großen Bandbreite von 20 bis 100 Millimetern. Das bisherige Defizit konnte damit bei weitem nicht ausgeglichen werden, sodass das oberösterreichische Grünland bis heute unter Wassermangel leidet.
"Es lässt sich bereits mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass die Grünlandbetriebe nur mit äußerst knapper Futtergrundlage in den Winter gehen werden. Der Anschluss an das erste Futter im kommenden Jahr wird für manche Betriebe nicht möglich sein. Viele Bauern setzen ihre Hoffnungen in den Zwischenfruchtfutterbau, sofern Ackerflächen verfügbar sind. Die Marktlage für Heu und Silagefutter steht sehr gut. Auch im Feldfutterbau bietet sich ein ähnliches Szenario. Rotkleegras-Mischungen, die heuer im zweiten Hauptnutzungsjahr sind, haben sich vergleichsweise gut gehalten", informierte Krumphuber. Nicht zu schlagen seien unter den diesjährigen Bedingungen die Luzerne sowie Futtermischungen mit Luzerne, wie das Luzernegras. Die Luzerne werde künftig sicher mehr Bedeutung in der Futterbaupraxis erlangen.

Obst- und Gemüsebau: Bewässerung wird wichtiger

Anders als in den Jahren 2016 und 2017 gab es heuer keine Spätfröste, die im Obstbau zu Totalausfällen führten. Allerdings haben die oberösterreichischen Betriebe ebenfalls unter Hitze und Trockenheit gelitten. In Zukunft wird es nach Ansicht der LK-Experten zunehmend wichtiger, Bewässerungsmöglichkeiten zu erschließen.
Kirsche und Marille haben in den letzten Jahren stark an Fläche zugelegt, die Ernte setzte witterungsbedingt um bis zu drei Wochen früher ein. Die Früchte waren tendenziell etwas kleiner, aber sehr aromatisch. Oberösterreich produziert etwa ein Drittel der österreichischen Erdbeeren auf einer Fläche von derzeit 336 ha. Auf nicht bewässerten Flächen - das sind vor allem die Selbstpflückanlagen - kam es heuer faktisch zum Totalausfall. Hitze und Trockenheit ließen nur sehr kleine Früchte wachsen und die Kunden blieben fern. Dieser Spezialsektor steht vor beinahe existenzbedrohenden Problemen. Die Aussichten für die Apfelernte werden vorerst positiv eingeschätzt. Aktuell wird mit einer Durchschnittsernte von etwa 12.000 t Tafeläpfel gerechnet.
Aufgrund ungünstiger Witterungsbedingungen waren Aussaaten und Auspflanzungen im Gemüsebau heuer erst sehr spät möglich. Ab April änderte sich die Witterung schlagartig und es kam zum wärmsten Frühling seit 1800. Mit Hilfe von Folien, Vliesen und Beregnung wuchs das Gemüse in den Folienhäusern und auf den Freilandflächen unter optimalen Bedingungen, weshalb ab Mitte Mai bei allen Gemüsearten von einem Vegetations- und Erntevorsprung von zwei bis drei Wochen berichtet wurde. Nachteilig wirkte sich dieses Wetter in Form eines massiv erhöhten Aufwandes für die Bewässerung und eines erhöhten Schädlingsauftretens aus. Bei den Erdäpfeln hat die heurige Witterung bislang einen teilweise zu geringen Knollenansatz mit gleichzeitig groß fallender Ware gebracht. Auch bei den Folgesätzen bei den mittelfrühen Sorten, die in Kürze geerntet werden, wird dieser Trend erwartet. Feststellbar war heuer ein stärkeres Auftreten des Kartoffelkäfers.