Zarte Signale nähren Spekulation um Überwindung von Getreide-Preistief

Wiener Weizennotierung etwas schwächer - Nassmais gerüchteweise weiter stabil.

Wien, 22. September 2017 (aiz.info). - Die etwas freundlichere Stimmung an den Terminmärkten für Weizen - wenngleich auch auf bescheidenem Niveau - hielt auch diese Woche an. Gestützt wurde sie von zu erwartenden Ernteausfällen in Australien (aktuelle Regierungsprognose: 21,64 Mio. nach 35,13 Mio. t) und Argentinien, einem Rückgang der Sommerernte Kanadas gegenüber dem Vorjahr (27,1 Mio. nach 31,7 Mio. t), einem 1,8 Mio. t-Deal der USA mit Taiwan und Schnäppchenkäufen der zurzeit billigen Kontrakte an den Terminbörsen durch Verarbeiter. Zudem beginnen die Märkte die weltweit überreichliche Versorgungslage beim Weizen mit einer Endlagerprognose des USDA von 263 Mio. t oder 36% des Verbrauchs zu hinterfragen, indem sie hinweisen, dass gut 48% dieser Weizenreserven (127 Mio. t) in China lägen und somit den internationalen Märkten vorenthalten blieben. Zudem tauchen Spekulationen auf, die Landwirte in Frankreich sowie anderen europäischen Ländern könnten als Reaktion auf die schwachen Preise den Winterweizenanbau für die Ernte 2018 einschränken und in Russland wie auch der Ukraine herrschten zu trockene Verhältnisse für den Herbstanbau. An der Pariser Euronext wurden erste Stimmen laut, damit könnte - ähnlich wie im September der Vorsaison - das Post-Ernte-Preistief allmählich nur mehr im Rückspiegel zu sehen sein. Einen Deckel setzen dem Ganzen allerdings noch immer die preislich aggressiv angebotenen Exporte Russlands aus seiner Rekordernte von 81 Mio. t auf.

Der Wettbewerbsfähigkeit von Weizen aus der EU und damit dessen Exportkonjunktur kam diese Woche die Ankündigung der US-Notenbank Fed zugute, nach der vorsichtigen Anhebung des Zinsniveaus im Sommer nun auch ihre Bestände infolge der Finanzkrise aufgekaufter Wertpapiere allmählich zurückzufahren. Damit hatte die Federal Reserve billiges Geld in die Wirtschaft gepumpt. Eine nunmehr restriktiver werdende Geldpolitik ließ den Wert des US-Dollars steigen, womit der Euro wieder unter einen Kurs von 1,20 USD sinken konnte. Der stärkere US-Dollar könnte aber wegen des Nachteils im Exportwettbewerb wieder auf die Weizenkurse in den USA - etwa an der CBoT in Chicago - drücken, denen wiederum meistens die Notierungen an der Euronext in Dackeltreue folgen.

EU holt Rückstand bei Weizenexport erst langsam auf

In den Weizenexportzahlen holt die EU ihren Rückstand gegenüber dem Vorjahr aber erst langsam auf: Laut den von den Zollbehörden der EU-Kommission übermittelten Daten für die zwölfte Woche des Wirtschaftsjahres bis 19. September wurden 533.272 t Weichweizen ausgeführt. Das sind in Summer der Saison 3,682 Mio. t und noch immer um 42% weniger als die Vorjahreslinie, aber dennoch wieder ein um 3% geringerer Rückstand als in der Vorwoche.

Deutlicher hat dagegen der Gerstenexport mit einer Reduzierung des Minus zur Vorjahreslinie im Wochenabstand von 49 auf 34% aufgeholt. Laut Pariser Börsianern habe ein erster Schwung russischer Gerstenausfuhren auf den Weltmarkt abgeebbt und den Europäern eine freiere Bahn verschafft.

Weltweit wird zurzeit eine geringe Abgabebereitschaft für Getreide aus der Ernte 2017 von Produzenten und Lagerhaltern berichtet. Der Grund liegt übereinstimmend in zu niedrigen Preisgeboten. Des Weiteren werden Kämpfe um Marktanteilsverschiebungen über die Preise geführt: So klagen ostdeutsche Landwirte, aktuell preislich bei westdeutschen Mühlen, denen entsprechende lokale Qualitätsangebote fehlen, von französischen Genossenschaften unterfahren zu werden. Denn diese versuchten offensichtlich, das in den Verkaufszahlen innereuropäisch wettzumachen, was ihnen bisher im Drittlandexport durch die Lappen gegangen ist. Und dort, wo Deutschland nach der verregneten Ernte entsprechende Qualitäten für den Drittlandexport nicht anbieten kann, sollen baltische Staaten mit Billigangeboten um den frei gewordenen Anteil am Kuchen buhlen.

Wiener Weizennotierungen schwächten sich "nicht hausgemacht" etwas ab

In Österreich gaben am Mittwoch die Brotweizennotierungen an der Wiener Produktenbörse etwas nach - bei allerdings noch immer ungewöhnlich großem Abstand zum Euronext-Niveau, das am Donnerstag für den Dezember-Liefertermin zu Handelsbeginn bei gut 164 Euro/t lag. Premiumweizen sank vor allem am oberen Rand des Preisbandes (-7 Euro/t) auf 192 bis 195 Euro/t, Qualitätsweizen am unteren Rand (-4 Euro/t) auf 178 bis 182 Euro/t und Mahlweizen auf 172 bis 174 Euro/t. Damit sei, so Marktteilnehmer, das internationale September-Preistief mit Verspätung und abgeschwächt auch am heimischen Kassamarkt angekommen. Diese Abschwächung habe keine hausgemachten Ursachen, entweder dass sich jetzt die Qualität der inländischen Ernte 2017 nunmehr schwächer herausgestellt hätten oder die Mengen größer geworden wären. Im Gegenteil, das Geschäft laufe, wenn auch nicht stürmisch, so doch zufriedenstellend. In Landwirtekreisen werden Nettoerzeugerpreise von 175 bis 185 Euro/t für Premium-, um 165 Euro für Qualitäts- und 150 Euro für Mahlweizen kolportiert. Mahlroggen bringe Erlöse um 175 Euro/t netto.

Mahlroggen hielt sein extrem hohes Preisniveau von 192,50 Euro/t im Schnitt des Preisbandes. Damit weist die Inlandsware - ab Station - nach wie vor einen stolzen "Regionalitätsbonus" zu Roggeneinfuhren - diese jedoch sind inklusive Transportkosten nach Österreich ausgepreist - von 15 Euro/t aus und die Sojaschrotnotierungen zogen im Gefolge einer internationalen Befestigung, ausgelöst durch lebhafte Exporte der USA nach China und verzögerter Ausfuhren aus Brasilien, etwas an. Einen gröberen Einbruch um 15 Euro/t gegenüber Ende August erfuhr die Wiener Notierung von Futterhafer. Dahinter dürfte eine schwächere Qualität der diesjährigen Ernte stehen, mit durchschnittlich 167,50 Euro/t drücke sich aber eine plausible Preisrelation zu Mahlweizen aus, heißt es.

Ringen um Körnermaispreis - Nassmaispreise gerüchteweise weiter auf unveränderter Höhe

Alterntiger Futtermais verlor um 2 Euro/t auf 154 Euro/t. Aus Branchenkreisen hört man zurzeit Preisgebote an Erzeuger für Trockenmais um 150 Euro/t netto. Die Verarbeiter hängten aktuell offensichtlich sinkende Preisangebote heraus. Sie bezögen sich darauf, weltweit stünden die Mais-Terminmärkte unter saisontypischem Erntedruck. Die unterschiedlichen Preisvorstellungen von Abnehmern und Lagerhaltern bremsen offensichtlich die Abgabebereitschaft Letzterer.

Der EU-Getreidehändlerverband Coceral reduzierte am Donnerstag in seiner vierteljährlichen Prognose die Erwartung an die Maisernte der EU 2017 von zuletzt 60 auf 59,3 Mio. t. Damit soll die Union auch weniger Mais einfahren als 2016 mit 60,8 Mio. t. Sie ist Nettoimporteur und wird 2017/18 zur Deckung ihres Bedarfs laut USDA 16 Mio. t Mais einführen müssen.

Die Nassmaisernte hierzulande bringe regional wie in Teilen Niederösterreichs katastrophale Erträge, gleichzeitig aber in der Steiermark und im Westbahngebiet auch zufriedenstellende. Allein aus Niederösterreich hört man von unter 30 bis 140 dt/ha, wobei im Weinviertel schon mittlere Reifezahlen mit nur mehr 25% Feuchtigkeit eingebracht worden sein sollen. Wurden die Verarbeiter bis zum vergangenen Wochenende mit Nassmais noch zugeschüttet, stockten Ernte und Anlieferung im Wochenverlauf wegen des Regens. Die Sorge um das Wetter auch in der kommenden Woche, so wird von Landwirten gemunkelt, könnte die Verarbeiter in der Ethanol-, Stärke- und Zitronensäurebranche auch kommende Woche unveränderte Nassmais-Erzeugerpreise um 110 Euro/t auf Basis 30% Feuchtigkeit und angeliefert an die Werke bieten lassen. Manche glauben sogar, Signale empfangen zu haben, dass dieses Preisniveau über die ganze Saison gehalten werden könnte. Händler böten zurzeit für Nassmais Landwirten Preise vergleichbar mit den frei Rübenplätzen bezahlten in der Größenordnung von 105 Euro/t netto.

Ägypten wird am Weltmarkt mit Mohnsamen-Risikoaufschlägen bestraft

Nachdem Ägypten kürzlich zwei Schiffsladungen Weizen aus Frankreich und Rumänien wegen Funden von Mohnsamen unter Quarantäne gestellt hat, musste es diese Woche bei den Anboten für einen Tender zur Lieferung Ende Oktober "Mohnsamen-Risikoaufschläge" bei den Preisen zur Kenntnis nehmen. Die staatliche Getreideaufkaufsagentur GASC erhielt entgegen der zuletzt üblichen 15 Angebote sowohl aus Frankreich als auch aus Rumänien und von Russland diesmal nur rund die Hälfte an Offerten, weil viele internationale Händler auf die Sprunghaftigkeit der Behörden vom Land am Nil bei der Kontrakterfüllung mit Boykott reagiert hätten. Die dennoch gelegten Anbote - mit Ausnahme je eines aus Frankreich und Rumänien allesamt aus Russland - hätten sich Agenturberichten zufolge gegenüber dem vorangegangenen Tender im Durchschnitt auf fob-Basis um "Mohnsamen-Risikoaufschläge" von fast 10 USD/t (8,33 Euro/t) von 187 auf 196,67 USD/t (von 155,74 auf 163,80 Euro/t) erhöht. GASC schlug schließlich 175.000 t russischen Weizen zu.

Im internationalen Handel schüttelt man die Köpfe, wie ein derart von Importen (Jahreseinfuhrbedarf 2017/18 geschätzte 12 Mio. t) abhängiges Land mit solchen Vorgehensweisen Versorgungskrisen riskieren könne beziehungsweise wie sehr es unter Druck stehe, sich von einem Anbieter abhängig machen zu lassen.